Diethard_Riedel_Entwurf2aSphärische Sprayabstraktionen...

Diethard Riedel widmet sich seit 1983 als Künstler in seiner abstrakten Spraykunst dem bildnerischen Potential von Spraydose und -farben. Aus seinen Erfahrungen entwickelt er eine Gestaltungslehre für Moderne Spraykunst. Zugleich entwirft er eine historisch exakte und zeitgemäße Theorie zur Spraykunst, samt ihrer Entwicklungslinien und Stilarten. 2009 initiiert er die MODERN SPRAY ART GROUP.

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Vita

Diethard Riedel ist am 05.10.1963 in Berlin geboren. Er beginnt 1983 mit ersten Sprayexperimenten in Schwäbisch Hall. Ab 1985 widmet er sich in Nürnberg vertiefenden Spraystudien. Seit 2002 kann der Spraykünstler auf zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen, Events und Beteiligungen an diversen Kunstprojekten zurückblicken. Seine erste Ausstellung ist eine Retrospektive in der Fürther Galerie Einsicht. 2002 präsentiert er seine Spraykunst zudem im Nürnberger Kunst- und Kulturverein Weinerei. 2003 wird er Künstler der Nürnberger Galerie Weigl. Seit 2004 sind seine Werke in der Nürnberger UmweltBank AG zu sehen. Ab 2005 ist er wiederholt im Kunstverein Coburg und im Kunstverein Erlangen präsent. 2006 stellt er seine Spraykunst im Siemensforum Erlangen und im Kunstverein Schwäbisch Hall der Öffentlichkeit vor. Im gleichen Jahr wird er Künstler der Erlanger Galerie arsprototo. 2007 ist er an einer Ausstellung im Galeriehaus Nürnberg beteiligt. Er veranstaltet in der Galerie arsprototo erstmals einen Sprayworkshop für Moderne Spraykunst und in der Nürnberger Galerie mit der blauen Tür ein Sprayhappening. Er gibt in der Sendung „Kunstwelle“ auf radio z mehrere Interviews zu seiner spraykünstlerischen Position und nimmt am internationalen Kunstfest „Fiesta de Arte“ in Erlangen-Tennenlohe teil. Für die Frauenkirche am Nürnberger Hauptmarkt gestaltet er einen Sprayzyklus zur Adventszeit und Heiligabend. 2008 stellt er seine Spraywerke in der Erlanger Galerie Treppenhaus vor. Er nimmt am Deutsch-Polnischen Kunstsymposium „Figuration und Abstraktion“ in Erlangen und Warschau teil, und wird zum internationalen Treffen der Künste im Erlanger Schlossgarten, das unter dem Motto „Bewegte Kunst“ steht, eingeladen. Im gleichen Jahr sind seine Werke erstmals im Ausland, im Rathaus von Cumiana (Italien) und in der Warschauer Galerie Sztuki Farbiania na Piekney zu sehen. Seit 2007 arbeitet Diethard Riedel an einer kunsthistorisch exakten und zugleich zeitgemäßen Analyse der Spraykunst. Er führt die Begriffe „Spraykunst“ und „Moderne Spraykunst“ („Spraymoderne“) ein, und fundiert sie. Seit 2008 widmet er sich als Initiator der Manifestation der MODERN SPRAY ART GROUP, die 2009 mit der Debütausstellung in der Erlanger Galerie Treppenhaus Wirklichkeit wird.

 

Künstlerische Tradition

Bereits in jungen Jahren ist Diethard Riedel von der abstrakten Kunst fasziniert. Schon als Kind faszinieren ihn leuchtende Farben und klare Formen, zieht ihn nicht das Gegenständliche sondern das Abstrakte in seinen Bann. Ab 1982 intensiviert er seine Farb- und Formexperimente. Er zeichnet mit Bunt- und Bleistiften aus der Hand geschwungene Linienkompositionen. Daneben sind es formlos, expressiv oder surreal anmutende Abstraktionen, die er mal mit dem Pinsel, mal mit dem Spachtel vorwiegend in Aquarell-, Öl- und Acrylfarben malt. 1983 wendet er sich aus reiner Neugier der Spraytechnik zu. Er erwirbt in einem Autohaus zwei Spraydosen und sprayt in den Farben Violett und Flieder ein extrem reduziertes menschliches Antlitz. Dabei fasziniert ihn einerseits das Medium derart, dass er sich seitdem ausschließlich der Spraykunst widmet.

 

Spraykünstlerische Position

Diethard Riedel vertritt seit 1983 die Position einer legalen Spraykunst, die er primär auf portable Bildträger sprayt. Als Vertreter des Abstrakten bzw. der radikalen Abstraktion geht es Riedel von Beginn an um die Kreation ästhetischer Erlebniswelten und Schöpfung eigener Bildwirklichkeiten. Er begreift seine Werke auch als Experimente, in denen er die Eigenschaften von Spraydose und -farben erkundet. Im Laufe der Jahre entdeckt Riedel mithin einzigartige bildnerische Potentiale. Sie ermöglichen es ihm die klassischen Stilrichtungen und Epochen abstrakter Kunst und radikaler Abstraktion spraykünstlerisch zu interpretieren. Riedel umschreibt seine Spraykunst als „Sphärische Sprayabstraktion“. Er knüpft damit einerseits an die wesensbestimmenden formalen Charakteristika der Spraytechnik an. Für ihn liegt das Besondere im spraytypischen dreidimensionalen Arbeiten ohne direkten Kontakt des Malinstrumentes zum Bildträger und in dem aus der Zerstäubung von Farbe entstehenden Sprühnebel. Der Farbnebel ermöglicht es Riedel, mit Transparenzen, Unschärfen, Farbtiefen, Flimmereffekten, sanften Farbübergängen und Weichzeichnungen zu arbeiten. Andererseits lädt er in seinen Spraywerken die Betrachter zu Reisen in andere, uns bisher verborgene Sphären ein.

Um die bildnerischen Potentiale zu erforschen, entwickelt Riedel im Rahmen seiner Experimente verschiedene, teils neuartige Spraytechniken. Mit den Spraytechniken einhergehend entwickelt Riedel unterschiedliche Arbeits- und Kompositionsweisen. Zugleich thematisiert er in seinen Kunstwerken das Wesen der Sprayfarben und gesprayter Elementarformen (Punkt, Linie, Fleck, Fließfeld, Farbfeld, Flächenform, Körper). Riedels Erkenntnisse münden in der Entwicklung einer Gestaltungslehre für Moderne Spraykunst, an der er seit 2007 arbeitet. Anders als bei herkömmlichen Medien erlaubt der Farbnebel zum Beispiel die Gestaltung „Sphärischer Kompositionen“, die weder flächig noch plastisch anmuten, dafür aber scheinbar schweben. Riedel definiert in seinem Gesamtwerk ein breites Spektrum an Stilarten abstrakter Spraykunst bzw. radikaler Sprayabstraktionen. Mal interpretiert den Pointillismus, Impressionismus und abstrakten Expressionismus. Mal interpretiert er den Suprematismus, Konstruktivismus und die Konkrete Kunst. Mal bewegt er sich im Informellen, Surrealen oder Psychedelischen. Ab etwa 2004 beginnt er seine Bildformate in sogenannten Sprayminiaturen extrem zu reduzieren. Daneben bewegt er sich seit 2007 gelegentlich im Bereich gegenständlicher Sprayfigurationen. Getragen von seinem im Grunde anti-elitären Kunstverständnis beginnt Riedel 2009 die Straße, mit ihren Wänden, Mauern und Fassaden als Outdoor-Galerie bildnerisch zu nutzen. Zusammenfassend lässt sich Riedels Spraykunst anhand all dieser Gestaltungsaspekte systematisieren und umschreiben.